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Brandsimulationsanlage
Besonders bei der Brandbekämpfung ist es wichtig, dass ein Berufsanfänger unter realistische Bedingungen üben kann. 
Er muss die enorme Hitze, den dichten Brandrauch und die psychischen und körperlichen Belastungen selbst erfahren haben, damit er auf den Ernstfall vorbereitet ist.
Aber auch erfahrene Brandbekämpfer müssen sich durch Übungen auf besondere Einsatzsituationen vorbereiten.

Rollover

Insbesondere das Training einer effektiven Brandbekämpfung stellt den Ausbilder immer wieder vor Probleme:
  • Die Einsatzübungen lassen sich nicht realistisch genug darstellen. Jeder Lehrgangsteilnehmer entwickelt deshalb seine eigene Vorstellung von der gegebenen Lage. Die Übung wirkt künstlich und erfüllt das gewünschte Ziel oft nur teilweise.
  • Übungsbrände sind aufwendig zu organisieren. Sie belasten die Umwelt durch Brandrauch und Brandrückstände. Der Schutt gilt als Sondermüll und muss fachmännisch entsorgt werden, was mitunter sehr kostenintensiv ist.
Foto (oben):
Nur wer einen Rollover in der Trainingssituation erlebt hat, kann im Ernstfall richtig reagieren. 
  • Übungsbrände müssen unter hohen Sicherheitsmaßnahmen kontrolliert werden, damit sie nicht "zu realistisch" werden und sich nicht zu einem Ernstfall entwickeln.
Training für den Ernstfall
Die Brandsimulationsanlage der Berufsfeuerwehr München besteht aus fünf Räumen, in denen mittels einer fest verlegten Gasversorgung an acht Stellen Brände dargestellt werden können. Als Brandherde stehen zur Verfügung:
  • ein Bett
  • ein Sofa
  • eine Küchenzeleile
  • eine Werkbank
  • zwei Gasflaschen
  • ein Papierkorb

Hiermit können folgende Standardübungen dargestellt werden: 

  • Wohnungsbrand
  • Küchenbrand
  • Werkstattbrand

Die Räume lassen sich verrauchen, so dass die Sichtverhältnisse den Bedingungen im Realfall entsprechen. Zusätzlich kann die passende Geräuschkulisse eingespielt werden.

Gasflaschenbrand

Foto (oben):
Simulation eines Gasflaschenbrandes. Im Ernstfall bestünde hier höchste Explosionsgefahr.

Auch besondere Einsatzlagen lassen sich simulieren. Z.B. das Durchzünden einer überhitzen Rauchgaswolke beim Öffnen der Zimmertüre (Rollover) oder aus dem Fenster schlagende Flammen für Löschangriffe über tragbare Leitern oder die Drehleiter.

Sicherheit
Die Überwachung der Brandräume und der Traininierenden erfolgt mit Hilfe von moderner Computertechnik. Die Flammen können jederzeit mit einem Tastendruck gelöscht werden. Die Übungsanlage wird durch ein Gasmess- und Warnsystem sowie eine Temperatur- sensorik überwacht. Zur Entrauchung und bei ungewollten Gasaustritten ist eine leistungsfähige Lüftungsanlage vorhanden. 
Es ist möglich, die Anlage von der Leitwarte aus zu steuern oder per Fernbedienung vom Brandraum aus.
In den Brandräume selbst sind Not-Aus- Schalter angebracht, die in gefährlichen Situationen die Gas- und Rauchzufuhr sofort unterbrechen, die Lüftung und die Sicherheitsbeleuchtung aktivieren. Schon nach 30 Sekunden kann dann der Übungsraum ohne Atemschutz betreten werden.
Während des Betriebes sind mindestens drei Ausbilder anwesend. Einer davon geht mit den Lehrgangsteilnehmern in den Brandraum vor, gibt Anweisungen und kann im Notfall sofort eingreifen. Er hat ständigen Funkkontakt zum Leiststand. Dort überwacht ein zweiter Ausbilder die Übung. Die weiteren Lehrkräfte bereiten die nächsten Trupps auf ihr Training vor und können auch sofort in das Geschehen eingreifen.
Foto (unten):
Mittels EDV hat der Ausbilder im Leitstand stets die aktuelle Übersicht über den Zustand der Übungs- anlage und kann sämtliche Funktionen steuern.

Kontrollbildschirm der Leitwarte

Anwendungsbeispiele
Ausbildung

Küchenbrand

Die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger beginnt mit der Gewöhnung an die Hitze. Die Lehrgangsteilnehmer lernen dabei die Wirkungsweise, die richtige Handhabung und auch die Grenzen ihrer Schutzausrüstung kennen.
Absolut lebenswichtig ist die Fähigkeit, sich in Räumen orientieren zu können, in denen die Sichtbedingungen durch Brandrauch auf Null gesunken sind. Auch dies gehört in die Ausbildung von Feuerwehrleuten und kann in der Brandsimulationsanlage unter realistischen Bedingungen geübt werden.
Foto (oben):
Simulation eines Küchenbrandes. Die Flammen haben schon auf andere Einrichtungsgegenstände übergegriffen.
Nachdem die Berufsanfänger gelernt haben, sich in brennenden Räumen und Gebäuden richtig zu verhalten, üben sie die richtigen Löschtechniken, das Suchen und Retten von Personen und die Rettung von verunglückten Kameraden.
In der Brandsimulationsanlage können die Übungen so real dargestellt werden, dass die körperlichen und psychische Belastung an die eines echten Einsatzes heranreicht.
Die Hitze im Brandraum erreicht in 1,5 m Höhe bereits 300°C, an der Decke 700°C. Die Sichtbehinderung durch Rauch bei einem Schwelbrand ist so stark, dass das Blickfeld an der Scheibe der Atemschutzmaske endet.

Dabei stehen die Auszubildenden unter ständiger Kontrolle ihrer Trainer.
Die Auswertung und Nachbesprechung der Übungen helfen den einzelnen Lehrgangsteilnehmern, ihre Fehler und Schwächen zu erkennen und zu lernen, die Belastungen richtig zu verarbeiten.

Foto (unten):
Bei jedem Brandeinsatz behindert Rauch und Wasserdampf die Arbeit der Feuerwehrleute.

Rauchentwicklung bei Zimmerbrand
Fortbildung Erproben neuer Ausrüstung
Alle Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr müssen mindestens einmal jährlich eine Übung unter Atemschutz absolvieren. In der Brandsimulationsanlage bietet sich die Gelegenheit, dabei die unterschiedlichsten Aufgabestellungen in die Übung einzubauen und spezifische Notfallsituationen trainieren zu lassen. Was wäre wenn ... ? - Diese Frage stellt sich oft, wenn neue Geräte auf den Markt kommen oder neue Einsatzgrundsätze entwickelt werden müssen.
Die Brandsimulationsanlage eröffnet die Möglichkeit, neue Schutzausrüstung, neue Geräte und Einsatztaktiken unter reproduzierbaren Bedingungen zu testen.
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